Baumaschinen-Modelle.net

Reparatur gerissener Hydraulikzylinder

[Foto]
Gerissener Zylinder

Als Modellbauer fürchtet man sich davor, aber irgendwann passiert es doch einmal: Ein (oder auch gleich mehrere) Kunststoff-Hydraulikzylinder reißt der Länge nach auf. Meiner Meinung nach kann dies passieren, wenn sich mit der Zeit der Weichmacher aus dem Kunststoff verflüchtigt und/oder der Zylinder überlastet wird.
Das Ergebnis ist in jedem Fall katastrophal. Zum einen sieht ein gerissener Zylinder nicht gut aus, zum anderen kann er in der Regel nicht mehr die nötige Kraft aufbringen um zum Beispiel den Ausleger eines Baggers aufrecht zu halten.
Bei mir war es ein Modell eines Liebherr R 912 Litronic (neues Design), den ich bei eBay ersteigert hatte. Dort waren gleich drei Zylinder betroffen: Die beiden Hauptzylinder am Ausleger sowie der Zylinder für die Anlenkung des Löffels.
Zur Reparatur scheidet in der Regel ein einfaches Kleben aus, da (zumindest die von mir getesteten) Kleber die auftretenden Kräfte nicht aushalten. Dies liegt auch daran, daß die zur Verfügung stehende Klebefläche sehr klein ist. Daher habe ich zwei andere Methoden angewandt, die ich hier kurz beschreiben möchte.
In jedem Fall ist übrigens leider meist nötig, entweder den Zylinder oder den Stempel durch ausbohren des entsprechenden Niet aus dem Modell herauszunehmen, da man sonst nicht den Stempel komplett aus dem Zylinder ziehen kann. Dies ist aber unbedingt nötig, da die Reparatur im entspannten Zustand erfolgen muß.

Methode 1: Manschette

[Foto]
Roher, grundierter und lackierter Ring
[Foto]
Montierte Manschette

Bei dieser Methode wird vorne auf den gerissenen Zylinder eine Manschette aufgeschoben. Das Ergebnis ist durchaus nicht aus der Luft gegriffen. Die Manschette ahmt neben ihrer Stützfunktion auch den Flansch nach, mit dem beim Vorbild das Endstück an den Korpus des Zylinders montiert wird. (Siehe auch das Vorbild-Foto, in diesem Fall der Löffelzylinder eines Cat 325B LN.)

Trotz Manschette empfiehlt es sich, den Zylinder an der gerissenen Stelle zunächst zu kleben. Geeignet ist dazu zum Beispiel Zwei-Komponenten-Kleber oder Sekundenkleber. Letzterem sollte man übrigens entgegen seines Namens durchaus 24 Stunden Zeit zum Aushärten geben.
Dann wird die Manschette angefertigt. Zweckmäßigerweise schneidet man sich dazu von einem Messing-Rohr in passendem Durchmesser einen dünnen Ring ab. In meinem Fall paßte zum Beispiel die Größe 5,0 × 0,5 mm recht gut. Dieser Ring wird dann grundiert und in der passenden Farbe lackiert. Unter Umständen kann es nötig sein, nach dem Aushärten des Lackes diesen auf der Innenseite wieder zu entfernen - zum Beispiel mit einem Bohrer.

Nachdem die Farbe und der Kleber ausgehärten sind, kann man die Manschette einfach auf den Zylinder aufstecken (falls nötig mit etwas Klebstoff und/oder passender Farbe fixieren) und den Zylinder wieder im Modell festnieten.

Methode 2: Kohlefaser

[Foto]
Fertig lackierte Fasern

Wem die obige Methode zu klobig erscheint, oder schlicht kein Platz für einen solchen Ring ist (In meinem Fall bei den Hauptzylindern. Hier hätten die Manschetten am Ausleger gescheuert.), der kann zu einer anderen Methode greifen:
Funktionsmodellbauer, insbesondere Modellflieger bedienen sich bei Bau und Reparatur ihrer Modelle oft sogenannter Kohlefasern. Dies sind hauchdünne, leichte und flexible aber dennoch sehr reißfeste Fäden, die man im Fachhandel zum Beispiel als Band von zahlreichen parallelen Fasern auf einer Rolle kaufen kann. Von einem solchen Band nimmt man nur ein kurzes Stückchen weniger Fasern. Dieses wickelt man stramm um die gerissene Stelle (idealerweise so, daß sich die Form des oben genannten Flansches beim Vorbild ergibt) und fixiert sie mit Sekundenkleber so, daß sich die Fasern gut mit Klebstoff vollsaugen.
Nachdem Aushärten des Klebstoffs kann das Gebilde ganz normal lackiert und wieder eingebaut werden.
An dieser Stelle auch ein Dankeschön an Rüdiger, der die Idee zu dieser Methode hatte und mir auch gleich ein Stückchen Kohlefasern überlies.